„Wir haben als Gesellschaft gemerkt, wie sehr wir einander brauchen“

Foto Bernd Eßling

Dekan Olliver Zobel zur Öffnung der Kirchen für Gottesdienste

Seit der Lockerung der pandemiebedingten Einschränkungen Anfang Mai scheint unsere Gesellschaft förmlich aufzuatmen.  Die Möglichkeit, nun wieder – unter Berücksichtigung besonderer Abstands- und Hygieneregeln – in den Kirchen Gottesdienste zu feiern, hat in vielen der insgesamt 42 Kirchengemeinden des Evangelischen Dekanates Ingelheim-Oppenheim Vorfreude aber auch eine gewisse Verunsicherung ausgelöst. „Werden wir die strengen Vorgaben, zu denen auch die Abfrage des Namens, der Adresse und der Telefonnummer der Gottesdienstbesucher zählt, erfüllen können?“, fragt man sich mancherorts.

Dekan Zobel
Foto Bianca Leone

Hygienekonzept nicht in jedem Kirchengebäude umsetzbar

Dekan Olliver Zobel ist dankbar, dass sich die Kirchenvorstände dennoch der Herausforderung stellen, ob und wenn ja wie ein Hygienekonzept für ihre Kirche möglich ist. Einige werden sehr schnell Entscheidungen treffen können, weil die bauliche Situation ihrer Kirche für solch‘ ein Konzept gute Voraussetzungen bietet. Andere werden feststellen, dass es kaum Sinn macht in einer Kirche einen Gottesdienst anzubieten, zu dem man höchstens neun Gäste zulassen kann. Außerdem müssen auch personell einige Auflagen erfüllt werden. So braucht man für jeden Gottesdienst einen Hygienebeauftragten – und den muss man erst einmal finden.

So werden wohl nach und nach in einigen Kirchen wieder Gottesdienste angeboten werden. Andere Gemeinden werden aber zurecht erst einmal weiterhin die Kirchen geschlossen halten und mit ihren Gemeindemitgliedern weiterhin in den Formen Gottesdienst feiern, wie sie sich in den letzten Wochen entwickelt haben (z. B. über das Internet oder mit Hilfe von Andachtszetteln oder Gemeindebriefen, die an die Gemeinde verteilt werden).

Durch Abstands- und Hygieneregeln geprägte Gottesdienste

Dekan Olliver Zobel freut sich zwar auch über die Wiederaufnahme der Gottesdienste: „Ich bin froh“, erklärt der Pfarrer, „dass Gottesdienste wieder stattfinden können, weil es eben für mich wieder ein wichtiges, öffentlich wahrnehmbares Zeichen dafür ist, dass wir auf der Suche nach einem neuen Alltag sind; dass wir versuchen, aus dieser Krisenzeit herauszukommen.“ Gleichzeitig weiß er aber auch, dass diese Gottesdienste, soweit sie denn den Vorgaben entsprechend möglich sind, anders sein werden ­– ganz anders, als es viele der Gemeindeglieder bisher gewohnt waren. „Das ist unsere Schwierigkeit in dieser Krise, dass Nähe und Gemeinschaft, die wir gerade jetzt so gerne anbieten möchten, in diesen durch Abstands- und Hygieneregeln geprägten Gottesdiensten nur schwer zu spüren sein werden.“

Kreative Gottesdienst-Alternativen weiter feiern

Zobel hofft, dass die Gottesdienstbesucher, trotz aller Auflagen, das von vielen ersehnte Gefühl der Gemeinschaft, der Geborgenheit und der Gottesbegegnung erleben werden. Jetzt müssen die Gemeinden erst einmal Erfahrungen sammeln: „Man wird sehen, was da möglich ist, welche Formen greifen und welche nicht.“ Gleichzeitig hofft er aber auch, dass die vielen kreativen Alternativen zur Seelsorge vor Ort und zu den „klassischen“ Sonntagsgottesdiensten in der Kirche, die in den Gemeinden durch das Engagement von Haupt- und Ehrenamtlichen entwickelt wurden, nun nicht ganz in den Hintergrund treten: „Ich bin sehr froh, dass Kolleginnen und Kollegen die Corona-Krise dazu nutzen“, erklärt der Dekan, „alternative Seelsorge- und Gottesdienstformen auszuprobieren. Noch haben wir nicht die Zeit, um das in Ruhe zu reflektieren, hoffen aber, dass wir uns ein paar Punkte über die Corona-Krise hinaus erhalten können.“

Neue Netzwerke von Haupt- und Ehrenamtlichen erhalten

Und er erläutert, dass die Weiterentwicklung der Gottesdienstkultur im Dekanat während der Corona-Krise einen kräftigen Schub nach vorne erhalten habe. Dazu gehört für Olliver Zobel z. B. die live im Internet übertragenen Gottesdienste. „Das könnte doch weitergehen“, so der Dekan, „auch wenn die Menschen wieder die Gottesdienste in den Kirchen feiern können. Warum sollen wir diese Form nicht weiter anbieten? So konnten wir jetzt schon neue Leute ansprechen und könnten es auch weiterhin.“ Der Theologe hofft außerdem, dass auch die Netzwerke innerhalb des Dekanates und der Gemeinden, die sich bei der Entwicklung gemeinsamer Projekte zur Bewältigung der Corona-Krise gebildet haben, weiterhin bestehen bleiben.

In der Gesellschaft das Miteinander wieder mehr diskutieren

Darüber hinaus hat er festgestellt: „Durch diese Krise haben wir auch als Gesellschaft gemerkt, dass wir einander mehr brauchen. Und ich hoffe natürlich, dass dieses „mehr Brauchen“ auch dazu führt, dass wir manche Prozesse in unserer Gesellschaft, wie ich es z. B. in Bezug auf die Vereinzelung der Menschen erlebt habe, dass vielleicht da manche Prozesse wieder mehr in Frage gestellt werden“. Seine große Hoffnung ist, „dass wir in unserer Gesellschaft wieder unser Miteinander diskutieren und wieder ein bisschen mehr zusammenrücken“. Gerade bei ethischen Debatten, wie der Frage zum Umgang mit dem jeweils Nächsten, sei Kirche ein wichtiger Ansprechpartner. „Politik kann immer nur versuchen, einen Kompromiss herzustellen und Schwerpunkte zu setzen“, ist der Dekan überzeugt, „aber es war schon immer so, dass ihr die Grundelemente und Werte von außen gegeben wurden, von Philosophen oder Theologen.“

Hilke Wiegers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Sie haben hier tolle Leute! Hut ab!“

Hinter den Kulissen des ZDF-Fernsehgottesdienstes in Ingelheim

Wer jemals vor einem größeren Publikumreden oder etwas aufführen musste, der ahnt, was es heißt, bei einer Live-Sendung vor über einer Million Fernseh-zu-schauern aufzutreten. Und wenn dann auch noch, wie beim jüngsten ZDF-Fernsehgottesdienst am Ostersonntag in der Ingelheimer Saalkirche, die Vor-bereitungszeit mit zwei Wochen denkbar knapp ist, erhöht sich der Druck auf alle Mitwirkenden noch einmal um ein Vielfaches.

Großes Lob von der Senderbeauftragten

Ein Blick hinter die Kulissen während der Generalprobe am Ostersamstag zeigt, wie hoch die Professionalität nicht nur des ZDF-Fernsehteams, son-dern auch von allen Mitwirkenden des Gottesdienstes ist. Kein Wunder, dass die Senderbeauftragte für ZDF-Gottesdienste im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik, Pfarrerin Simone Hahn, insbesondere dem Team der Evangelischen Saalkirchengemeinde Ingelheim, das an der Liturgie und der musikalischen Gestal-tung des ZDF-Fernsehgottesdienstes mitgearbeitet hat, ein großes Lob ausspricht: „Das muss man schon sagen, sie haben hier tolle Leute vor Ort! Hut ab!“

Gute Fernseh-Voraussetzungen in der Saalkirche

Dass die Ingelheimer Saalkirche zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen und wohl noch bis in den Mai hinein Schauplatz des ZDF-Fernsehgottesdienst geworden ist bzw. sein wird, ist wie Vieles in diesen außerordentlichen Zeiten eine Folge der Corona-Pandemie. Die Saalkirche liegt für die Mitarbeitenden der Mainzer Sendeanstalt nicht nur gleich vor der Haustür, sodass keine aufwändige Anreise mit Hotelübernachtungen notwendig ist. Das helle Kirchengebäude bietet mit seiner guten Akustik und seiner außerordentlichen Orgel-Anlage mit einem mitten im Raum flexibel beweglichen Spieltisch beste Voraussetzungen für Fernsehauf-nahmen.

Abwechslung als A und O eines Fernsehgottesdienstes

Ein weiteres Plus ist der Kirchenmusiker der Saalkirche, Carsten Lenz, der zusammen mit seiner Frau Iris souverän und ohne jedes Zeichen von Nervosität die musikalischen Fäden des ZDF-Fernsehgottesdienstes in den Händen hält. War schon der erste Fernsehgottesdienst am 29. März 2020 eine Herausforderung, weil aufgrund der Corona-Epidemie nur eine begrenzte Zahl von Musikern bzw. Sängern auftreten durften, so waren die Auflagen für den April-Gottesdienst noch höher: Neben dem Ehepaar Lenz durften nur noch sechs Personen musikalisch in Erscheinung treten. Gleichzeitig ist jedoch das A und O eines vom Fernsehen (aber auch im Radio) übertragenen Gottesdienstes die Abwechslung. „Jedes Musikstück darf möglichst nicht länger dauern als anderthalb bis zwei Minuten“, erzählt Carsten Lenz. Jede Liedstrophe sollte klanglich variiert, das heißt in einer anderen Besetzung vorgetragen werden.

Maßgeschneiderte musikalische Arrangements

Wie dies mit einer musikalischen Kleinstbesetzung zu bewerkstelligen ist, ist auch für einen routinierten Musiker wie Lenz keine leichte Aufgabe. Zwei Wochen mit einem Arbeitspensum von 70 Stunden haben er und seine Frau hinter sich, angefüllt mit dem Schreiben von maßgeschneiderten musikalischen Arrangements für die Mitwirkenden und zahlreichen Musik-Proben.

Sänger*innen des Gottesdienstes Bildnachweis: H. Wiegers

„Das muss auf die Sekunde stimmen, abgestimmt auf die Regie des Fern-sehens“. Von der Arbeit des ZDFs in „seiner“ Kirche ist Lenz übrigens be-geistert: „Die wissen genau, was sie tun. Sie machen sehr schöne Bilder und Überblendungen, das bekommt man natürlich als Musiker bei den Aufnahmen nicht so mit“.

Fehlerlos dank routinierter Gelassenheit

Als Zuschauer der Generalprobe am Ostersamstag merkt man aber sehr wohl, wie viel technisches Knowhow hinter so einem Fernsehgottesdienst steckt. Während die „Hauptdarstellerinnen“ des Fernsehgot-tesdienstes, die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Pfarrerin Annette Kurschus, und Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm, eine der Pfarrerinnen der Saalkirchengemeinde, schon im Talar den Gottesdienst vor laufenden Kameras proben, sieht man zum Beispiel die Ton- und Bildtechniker mit prüfendem Blick durch den gesamten Kirchenraum laufen, ständig im Sprech-Kontakt mit dem Team des ZDF-Übertragungswagens außerhalb der Kirche. Aufregung ist niemandem anzumerken, weder das Aufnahmeteam verliert seine routinierte Gelassenheit, noch unterläuft den beiden Pfarrerinnen oder anderen Sprechern oder Musikern ein Fehler.

Zum Abschluss ein gut gelauntes „Halleluja!“

Am Schluss sind alle nur gespannt, ob man im vorgegebenen Zeitrahmen geblieben ist. „Nur 30 Sekunden zu lang!“, erklärt Pfarrerin Waßmann-Böhm nach Abschluss der Probe erleichtert und dass, obwohl es für die Predigerin des Gottesdienstes, Präses Kurschus,

Fürbittenlesung mit Prädikantin Maresa Biesterfeld (links) und Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm (rechts). Bildnachweis: H. Wiegers.

und das liturgische Team aus Ingelheim die erste gemeinsame Probe für den Fernsehgottesdienst überhaupt war. Eine Super-Leistung! Kein Wun-der, dass Kirchenmusiker Lenz auf dem Orgelspieltisch erleichtert ein kleines, gut gelauntes Halleluja anstimmt. Der Ostersonntag kann kommen.

Bianca Leone

Gottesdienste halten …

Neuer LektorInnen-Kurs beginnt im Sommer 2020

2020 verspricht ein interessantes Jahr zu werden, insbesondere für diejenigen, die gerne Gottesdienste feiern, sich gerne mit biblischen Texten und theologischen Fragen beschäftigen, denn im kommenden Sommer beginnt wieder ein Kurs für Lektorinnen und Lektoren. Ein Jahr dauert die Ausbildung, an die sich auch noch eine Weiterbildung für den Prädikantendienst anschließen kann.

Gehalten wird der Ausbildungskurs von Pfarrerin Dagmar Diehl und den Pfarrern Stefan Sunnus und Markus Weickardt, die im Dekanat Ingelheim-Oppenheim mit dieser Aufgabe beauftragt wurden. Ziel ist es, die Teilnehmenden zur Vorbereitung und Gestaltung von Gottesdienst zu befähigen. Zu den Teilnahmevoraussetzungen gehören u. a. die Volljährigkeit, biblische und theologische Grundkenntnisse sowie eine Befürwortung durch Dekan Olliver Zobel bzw. durch die stellv. Dekanin Anne Waßmann-Böhm.

Interessenten können sich bei ihrer Gemeindepfarrerin bzw. dem Gemeindepfarrer oder beim Dekanatsbüro (Tel. 06136/9269612) melden.

Eine erste Informationsveranstaltung findet am Dienstag, den 5. Mai 2020 um 19.30 Uhr in der Dekanatsverwaltung, Am Hahnenbusch 14B, in Nieder-Olm statt.

Hilke Wiegers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Infobrief aus dem Dekanat

Liebe Schwestern und Brüder,

die Synode des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim hat am 8.11.2019 beschlossen, dass die Pfarrstellen in drei Kirchengemeinden zum 31.12.2022 gekürzt werden (Dalheim; Groß-Winterheim / Schwabenheim; Gustav-Adolf-Gemeinde, Ingelheim) und dass die Pfarrstelle in der Saalkirchengemeinde, Ingelheim um eine halbe Stelle erhöht wird. Außerdem hat sie beschlossen, dass zum 31.12.2024 die Pfarrstellen in zwei weiteren Kirchengemeinden um eine 0,5 Stelle gekürzt wird (Partenheim / Vendersheim; Ober- / Nieder-Hilbersheim und Appenheim). Sie setzt damit die Kürzungsvorgaben der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau um, die eine Kürzung der Pfarrstellen im Dekanat um 2 Stellen vorsieht.

Diesem Beschluss ist eine lange Vorbereitungsphase vorausgegangen (2018 wurde eine erste Arbeitsgruppe dazu eingerichtet) und eine engagierte Debatte auf der Dekanatssynode. Am Ende wurde der Beschluss mit einer klaren Mehrheit gefasst.

Grund dieser Stellenkürzungen ist nicht, dass wir zu wenig Arbeit in den betroffenen Kirchengemeinden hätten oder gar deren Arbeit kritisch sehen würden, Grund ist allein, dass zum Beispiel das Dekanat Ingelheim – Oppenheim in den letzten 15 Jahren rund 13 % seiner Mitglieder (in Zahlen knapp 9.000) verloren hat. Dies führt dazu, dass wir geringere personelle und finanzielle Möglichkeiten haben, der mit dieser Pfarrstellenbemessung zum Teil entsprochen wird.

Diesem Beschluss liegt eine Berechnung von Ansprüchen auf Pfarrstellen zu Grunde, die sich zu 82 % an den Mitgliedern und dann noch an den Kindertagesstätten, den Altenheimen und an den Gottesdienstorten orientiert. Schließlich geht es um die Verteilung von Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich eben vor allem um die Mitglieder kümmern (Kasualien, Bildung, Seelsorge) müssen und durch die Leitung einer Kindertagesstätte, durch die Betreuung eines Altenheimes und dem Angebot von Gottesdiensten an mehreren Orten gefordert sind. Dass das Leben einer Kirchengemeinde natürlich wesentlich mehr beinhaltet und Pfarrerinnen und Pfarrer oft noch mehr leisten, ist uns dabei bewusst und soll damit auch nicht geringgeschätzt werden.

Geplant sind nun weitere Gespräche mit den Kirchenvorständen der betroffenen Gemeinden. Außerdem bilden wir im neuen Jahr fünf Bezirke in unserem Dekanat, in denen dann noch einmal gezielt geschaut werden soll, wie man diese Kürzungen auch in der Region mittragen kann. Ebenfalls wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die grundsätzlich für das Dekanat nachdenken wird, wie man die Zusammenarbeit fördern und die Verwaltungsarbeit senken kann, so dass diese und auch kommenden Kürzungen nicht mehr von einzel- 2 – nen Gemeinden allein zu tragen sind. Informationen wollen wir für Sie in den nächsten Monaten für Sie in unserem neuen Service-Bereich unserer Homepage (evangelisches-dekanat- ingelheim-oppenheim.de) vorhalten.

Trotzdem werden diese Kürzungen dazu führen, dass bestimmte Angebote in einzelnen Gemeinden so nicht mehr weitergeführt werden können oder sie mit anderen Gemeinden zusammen angeboten werden müssen. Das ist gewiss an vielen Punkten mit schmerzlichen Abschieden verbunden, die wir nicht zur Seite wischen und auch mit Ihnen in geeigneten Formen begehen wollen. Trotzdem glaube ich, dass wir auch nach diesen Kürzungen weiterhin lebendige Gemeinden in unserem Dekanat haben werden, die eine reichhaltige Gottesdienstkultur pflegen und viele Angebote für die Menschen in unserem Dekanat bereithalten.

In wenigen Tagen beginnt die Adventszeit, mit der wir uns auf das Weihnachtsfest einstimmen wollen. Ein Fest, das mich daran erinnert, dass Gott aus Liebe unsere Nähe sucht und mit uns gemeinsam in dieser Welt unterwegs sein will. Dieses Versprechen im Kind in der Krippe wurde zum Grundstein für unsere Kirche. Und so ist mir – bei allen Veränderungen – um die Zukunft dieser Kirche letztlich nicht bange.

Bleiben Sie wohlbehütet

Dekan Olliver Zobel

Alles wie immer und doch vieles neu

Der erste Dekanatsfrauentag im Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Foto: Hilke Wiegers

Bei diesem Dekanatsfrauentag des Evangelischen Dekanates Ingelheim-Oppenheim war eigentlich alles wie immer, aber auch vieles neu. Die Fusion der beiden Dekanate hat nicht dazu geführt, dass die bei vielen Frauen im Dekanat Ingelheim so beliebte nun schon langjährige Tradition des Dekanatsfrauentages am 1. November endete. Nein, sie wird fortgesetzt. Wie immer zieht Hiltrud Runkel mit ihrem Team von Ehrenamtlichen die organisatorischen Fäden, wie immer halten zwei Busse vor dem Gemeindehaus der Ingelheimer Versöhnungskirche und evangelische Frauen aus vielen rheinhessischen Gemeinden steigen aus und eilen dem Eingang des Gemeindehauses entgegen. Drinnen herrscht ein lautes Stimmengewirr, viele kennen und begrüßen sich, schauen schon mal an den verschiedenen Verkaufsständen vorbei. In der kleinen, am Gemeindesaal grenzenden Küche sind ehrenamtliche Helfer von der Evangelischen Jugend im Dekanat Ingelheim-Oppenheim, abgeschirmt vom Trubel im Flur und im Saal, dabei, den Kaffee bereit zu stellen und den Kuchen zu schneiden, während im Saal – wie immer verlässlich und ruhig– der Kirchenmusiker Hans-Reiner Heucher am schwarzglänzenden Flügel die ersten Töne anschlägt.

Aber es hat sich auch etwas verändert: Die Organisatorin Hiltrud Runkel kann zu diesem Dekanatsfrauentag nicht nur Besucherinnen aus den Gemeinden des „alten“ Dekanates Ingelheim begrüßen, sondern auch Frauen aus der Region Oppenheim. Ein neuer Präses, Helmar Richter aus Nackenheim, ist gekommen, um die rund 100 Besucherinnen des Dekanatsfrauentages, der in diesem Jahr unter dem Motto „70 Jahre Weltgebetstag“ steht, zu begrüßen, und er bekennt mit einem Augenzwinkern: „Es ist das erste Mal, dass ich vor so vielen Frauen rede“. Den Weltgebetstag, die große ökumenische Basisbewegung von Frauen, kennt er natürlich gut, hat doch seine Frau in Nackenheim die Weltgebetstaggottesdienste oft mitorganisiert. Und das kleine Materialheftchen, das es zuverlässig jedes Jahr als Zusatzinformation über die Frauen des Landes gibt, mit dem sich der ökumenische Gottesdienst beschäftigt, das findet er richtig gut.

Pfarrerin Anne Waßmann-Böhm ist als neue stellvertretende Dekanin des Dekanates Ingelheim-Oppenheim auch zum ersten Mal mit beim Dekanatsfrauentag. Sie erinnert daran, dass der Weltgebetstag jedes Jahr die Chance bietet, „in eine andere Kultur, ja, in eine andere Welt einzutauchen und den eigenen Horizont zu erweitern“. Und weil es 2019 70 Jahre her ist, dass deutsche Frauen zum ersten Mal den in den USA „erfundenen“ Weltgebetstag feierten, um mit dem Gebet, Kraft zum Handeln zu schöpfen, hat sich das Dekanatsfrauentags-Team in diesem Jahr die Referentin für Frauenarbeit, Ulrike Lang, vom Verband Evangelische Frauen in Hessen und Nassau e. V. eingeladen. Dieser Verband bereitet in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau jedes Jahr die Feier des Weltgebetstages in den Kirchengemeinden vor.

Im Wechsel mit einigen von früheren Weltgebetstagen bekannten Liedern wird nun zusammen mit Ulrike Lange die Geschichte dieser großen ökumenischen Bewegung in kleinen Szenen vom Ehrenamtsteam des Dekanatsfrauentages nachgespielt. Anschließend kommen Kaffee und Kuchen auf den Tisch und es bleibt noch Zeit sich auszutauschen. Den Abschluss des unterhaltsamen Nachmittages macht ein besinnlicher Gottesdienst in der Versöhnungskirche. Nach gemütlichen Stunden hieß es dann wieder hinaus in das ungemütlich-herbstliche Novemberwetter. Wieder war es ein schöner Dekanatsfrauentag. Wie formulierte es doch Präses Richter an diesem Nachmittag in seiner Begrüßung: „Der Dekanatsfrauentag gehört zu den Schätzen des alten Dekanates Ingelheim, den wir in das neue Dekanat Ingelheim-Oppenheim übernommen haben.“

Hilke Wiegers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Wichtige Weichenstellung für die Zukunft

Dekanat Wahlsynode Aufsicht Korr

Synode wählte Olliver Zobel zum Dekan und Helmar Richter zum Vorsitzenden des Dekanatssynodalvorstandes

Der neue Dekan des Evangelischen Dekanates Ingelheim-Oppenheim heißt Olliver Zobel. Für den bisherigen Pfarrer der Evangelischen Johanneskirchengemeinde Bingen entschied sich die große Mehrheit der Mitglieder der 1. Synode des Dekanates Ingelheim-Oppenheim bei der von dem Propst für Rheinhessen und Nassauer Land, Dr. Klaus-Volker Schütz, geleiteten Wahl im Jugenheimer Franz-Josef-Helferich-Haus. Der Theologe Zobel tritt sein Amt am 1. März 2019 an und ist für sechs Jahre gewählt.

Dekanat Wahlsynode Zobel Vorstellung korr

In seiner Vorstellungsrede vor der Synode umriss Pfarrer Zobel seine Vorstellungen vom Dekaneamt: „Ich möchte, wenn Sie mir dazu Ihr Vertrauen geben, als Dekan beobachten und beraten, planen und entscheiden, stärken und repräsentieren“. Zu seinen Zielen gehöre es außerdem, Kirche ein Gesicht zu geben und „die Stimme zu erheben, auch, um diese zu schützen, wenn Forderungen immer größer werden“. Neben der Wahl des Dekans stand mit der Wahl des Dekanatssynodalvorstandes (DSV) auf der Tagesordnung dieser konstituierenden Synode eine weitere wichtige Weichenstellung für die Zukunft des Dekanates. Kein Wunder, dass nicht nur überdurchschnittlich viele Synodale und Mitarbeitende des seit dem 1.1.2019 fusionierten Dekanates Ingelheim-Oppenheim nach Jugenheim gekommen waren, sondern auch zahlreiche VertreterInnen der Evangelischen Jugend im Dekanat Ingelheim-Oppenheim, des Diakonischen Werkes Mainz-Bingen, der Evangelischen Regionalverwaltung Alzey und der Evangelischen Psychologischen Beratungsstelle Mainz.

Auch bei der Wahl des Vorsitzenden des Dekanatssynodalvorstandes des Dekanates Ingelheim-Oppenheim herrschte bei den Synodalen große Einigkeit: Mit 77 von 82 abgegebenen Stimmen wurde der von der Steuerungsgruppe des Fusionsprozesses vorgeschlagene Mathematiker Helmar Richter gewählt. Richter, der bereits im Dekanat Oppenheim das Amt des Vorsitzenden des Dekanatssynodalvorstandes innehatte, umriss, als eines seiner Ziele, den Wunsch: „Kirche soll nicht nur für die Älteren attraktiv sein, sondern auch für die Jüngeren“. Positiv hob er hervor, dass die Region Rheinhessen immer noch von der Kirche geprägt sei, „das müssen wir uns bewahren“. Nun stand noch die Wahl weiterer Mitglieder des Dekanatssynodalvorstandes an, welcher laut eines zuvor von der Synode gefassten Beschlusses zukünftig elf Personen umfassen wird. In geheimer Wahl fiel die Entscheidung auf Pfarrer Harald Esders-Winterberg, Helmut Lohkamp, Christine Peter, Pfarrerin Manuela Rimbach-Sator, Hans-Peter Rosenkranz, Pfarrer Thomas Schwöbel und Beate Sieg. Die Wahl eines weiteren Mitgliedes des DSV sowie des bzw. der stellvertretenden Dekans bzw. Dekanin erfolgt auf der nächsten Dekanatssynode, die am 15. März 2019 stattfinden wird. Ebenso wird an diesem Tag über die Beauftragungen von Ehren- bzw. Hauptamtlichen des Dekanates Ingelheim-Oppenheim sowie die Besetzung der verschiedenen Ausschüsse entschieden.

Nach diesem umfangreichen Tagesordnungsprogramm schloss die Synode um 23.30 Uhr. Für die Synodalen endete damit ein langer, aber auch ergebnisreicher Sitzungsmarathon, der am frühen Abend mit einem besonders feierlichen Abendmahlsgottesdienst in der Jugenheimer Martinskirche begonnen hatte.

Hilke Wiegers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

„Bewegen, berühren, verändern, Impulse setzen“

Erste gemeinsame Synode auf dem Weg zur Fusion der Evangelischen Dekanate Ingelheim und Oppenheim

Das Lied, mit dem der Auftaktgottes-dienst für die erste gemeinsame Synode der beiden Evangelischen Dekanate Ingelheim und Oppenheim in der Ingelheimer Versöhnungs-kirche begann, sollte für diesen Abend Programm sein: „Vertraut den neuen Wegen“. Denn gemein-sam wollten die rund 80 Synodalen weitere Schritte auf dem Weg zu einem gemeinsamen Dekanat machen.

Am 1. Januar 2019 werden die beiden Dekanate zu einer größeren Einheit mit Sitz in Nieder-Olm fusionieren. Auf dem Programm standen deshalb vor allem das gegenseitige Kennenlernen sowie ein Rückblick darauf, welchen Weg man bisher gemeinsam beschritten hat, und ein Beschluss darüber, welchen Namen das neue Dekanat haben wird.

Der Oppenheimer Dekan Michael Graebsch formulierte in seiner Predigt zum Gottesdienst, den er gemeinsam mit der Ingelheimer Dekanin Annette Stegmann hielt, die Hoffnung, die er mit der anstehen-den Fusion verknüpft: „Wenn wir jetzt gemeinsam diesen Weg weiter gehen, dann werden wir hoffentlich viel mit unserem fusionierten Deka-nat bewegen, berühren, verändern und Impulse in die Gesellschaft geben, die heute so wichtig sind“.

Im Anschluss gab der Präses des Dekanates Ingelheim, Horst Runkel, den im Gemeindesaal der Versöh-nungskirche versammelten Synoda-len einen kurzen Rückblick auf das bisherige Fusionsgeschehen. Unter anderem informierte er darüber, dass ein Gebäude für den Deka-natssitz in Nieder-Olm gefunden sei.

Grafik Peter Wagner

Gemeinsamer Dekanatsname: Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Unter Punkt 4 der Tagesordnung stand die Namensfindung für das fusionierte Dekanat zur Diskussion. Eine schriftliche Abstimmung getrennt nach Dekanaten ergab, dass die Synodalen beider Dekana-te mehrheitlich für die Beibehaltung des bisher, entsprechend des EKHN-Kirchengesetzes zur Neuordnung der Dekanatsgebiete, genutzten Namens waren: Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim. Im Anschluss kündigte der Oppenheimer Präses Helmar Richter an, dass angesichts der 2019 von der fusionierten Synode zu beschließenden neuen Pfarr-stellenbemessung bereits jetzt eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der beiden Dekanats-synodalvorstände, zur Festlegung der Kriterien dieser Neubemessung gebildet werden müsse. Auch Interessierte aus den Reihen der Synodalen seien willkommen.

Begegnung und Austausch

Nachdem der offizielle Teil der Synode unter „Verschiedenes“ mit Ankündigungen von Veranstaltun-gen in den beiden Dekanaten beendet war, schloss sich eine Gelegenheit zur Begegnung zwi-schen den Synodalen an. Sowohl das Dekanat Ingelheim als auch das Dekanat Oppenheim werden jeweils eine eigene Synode am 19. Oktober 2018 abhalten. Am 11. Januar 2019 findet dann die erste Synode des fusionierten Dekanates statt.

Hilke Wiegers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Evangelischen Jugendvertretung wählt neuen Vorstand

Ziel: Austausch und Kooperation im Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Stück für Stück wachsen derzeit die beiden Evangelischen Dekanate Ingelheim und Oppenheim, die seit dem 1.1.2019 fusioniert sind, zusammen. Auch auf der Ebene der Evangelischen Jugendvertretung im Dekanat (EJVD) ist jetzt auf einer ersten Vollversammlung beider Dekanatsvertretungen in Nieder-Olm ein gemeinsamer Vorstand gewählt worden. Im neuen Vorstand sind als Vorsitzende Carolin Feid (Heidesheim) und Jeremy Jason Sieger (Jugenheim) gewählt worden. Weitere Mitglieder des Vorstands (Beisitzer) sind: Jonas Schmidt (Bingen, Johannesgemeinde), Annika Clement (Heidesheim), Pia Leuschner (Bodenheim), Antonia Laisa (Bubenheim), Jule Schwab (Nieder-Hilbersheim), Jana Sommerfeld (Nieder-Hilbersheim), Felix Claussen (Nierstein). Auch die neue Dekanatsjugendpfarrerin, Tanja Brinkhaus-Bauer, gehört dem Vorstand an. Dekan Olliver Zobel freute sich auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neu gewählten Vorstand.

Der Übergangsvorstand, der aus den beiden Vorständen der EJVDs der ehemaligen Dekanate Ingelheim und Oppenheim bestand, hatte die EJVD-Vollversammlung als sozusagen letzte Amtshandlung vorbereitet. Die beiden Vorstände der ehemaligen Dekanate Ingelheim und Oppenheim legten jeweils einen Bericht der Vorstandsarbeit der letzten Zeit vor, die mit der Entlastung der beiden Vorstände von der Vollversammlung angenommen wurden. Beiden Vorständen wurde ausdrücklich und herzlich für die geleistete Arbeit gedankt, besonders auch im Hinblick auf die Fusion der Dekanate. Der Übergangsvorstand hat mit einer Geschäftsordnung die Weichen für eine weiterhin gelingende Arbeit der EJVD und des Vorstandes gestellt. Diese wurde von der Vollversammlung diskutiert und schließlich verabschiedet.

Neben den Wahlen beschäftigte die Vollversammlung der Evangelischen Jugend, zu der Jugendliche aus allen Gemeinden des Dekanates und VertreterInnen der Verbände in den Gemeinden (z.B. VCP, CVJM) eingeladen waren, die Frage, was kirchlich engagierte Jugendliche beschäftigt. Daraus sollen Themen für die zukünftige Arbeit des Vorstandes und ggf. auch für folgende Vollversammlungen abgeleitet werden. Die Jugendlichen nannten u. a. Gendergerechtigkeit, Klimawandel und Umwelt, Ökumene, Integration, Respekt allen gegenüber als Themen, mit denen sie sich derzeit auseinandersetzen. Darüber hinaus bietet die EJVD die Möglichkeit zu gegenseitigem Austausch und möchte die Zusammenarbeit der Gemeinden im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit und die Organisation gemeindeübergreifender Projekte unterstützen.

Hilke Wiegers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Der neue Vorstand der EJVD Ingelheim-Oppenheim: v.l.n.r.: Dekanatsjugendpfarrerin Tanja Brinkhaus-Bauer, Jana Sommerfeld, Jeremy Jason Sieger, Carolin Feid, Felix Claussen, Pia Leuschner, Jonas Schmidt, Antonia Laisa, Annika Clement, Jule Schwab

Foto: Alexandra Scheffel