„Lebendiger Adventskalender“ geht online

In Corona-Zeiten geht die ev. Gemeindebücherei Appenheim neue Wege: sie produziert einen alternativen Online-Adventskalender.

In den vergangenen 12 Jahren war der „Lebendige Adventskalender“ fester Bestandteil des Kultur-Angebots. Dabei trafen sich alle interessierten Dorfbewohner jeden Abend in der Vorweihnachtszeit draußen vor einem geschmückten Fenster und bekamen bei Punsch und Plätzchen eine Geschichte vorgelesen. Aufgrund der Corona-Pandemie wird es in diesem Jahr nicht möglich sein, diese geliebte Veranstaltung durchzuführen. 

Doch jetzt gibt es eine Alternative: ab dem 1. Dezember wird man täglich auf der Website www.appenheim.net ein Türchen öffnen und ein Video anklicken können. 24 Appenheimer lesen dort für ihre Nachbarschaft eine fortlaufende Weihnachts-Geschichte. Die Zuhörer können ab sofort per Email oder WhatsApp ein Passwort anfordern:  oder 0170-2702355. Dann gibt es für jeden sogar ein kostenloses Adventspäckchen, das zu Beginn der Aktion verteilt wird und für Weihnachtsstimmung sorgt. 

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bücherei, Leser und andere Bücherfreunde stecken in diesen Tagen in den Vorbereitungen. Jedes Kapitel wird von einem anderen Vorleser zu Hause mit dem Handy aufgezeichnet, das Video am Computer geschnitten und fertiggestellt. Noch sind nicht alle 24 Kapitel vergeben. Der Aufwand ist sehr gering, wer also Interesse hat mitzumachen, egal in welchem Alter, kann sich noch melden.

Besonderes Highlight: Wer bis Weihnachten alle Kapitel angehört und die Lösungsbuchstaben notiert hat, kann bei der abschließenden Verlosung ein handsigniertes Buch gewinnen.

Adventskalender-Lesung

Ab dem 1. Dezember kann man unter www.appenheim.net wie bei einem Türchen-Adventskalender jeden Tag ein Video öffnen und eine fortlaufende Weihnachts-Geschichte anhören. Diese wird von Appenheimern für Appenheimer vorgelesen. Der Aufwand im Vorfeld ist für jeden Einzelnen sehr gering. Einige Vorleser sind schon dabei, aber noch sind nicht alle 24 Kapitel vergeben. Wer also Interesse hat, mitzumachen, egal in welchem Alter, meldet sich bitte unter oder 0170-2702355.

Für alle, die nur Zuhören wollen, gibt es noch eine besondere Überraschung: Unter allen Teilnehmern, die sich per Email oder WhatsApp melden, wird an Weihnachten ein weiteres Buch des Autors verlost. 

Seniorenkreis Appenheim

Es ist der 26. Februar 2020. Im ev. Gemeindehaus haben sich 10 Seniorinnen und das Seniorenkreisteam (Gisela Schmitt, Sigrid Pitzer, Hanni Hoch-Kraft) zu einem gemeinsamen Nachmittag getroffen. Es ist Aschermittwoch – was liegt näher, als diesen Tag zum Thema zu machen. Die katholischen Teilnehmerinnen erzählen von dessen Bedeutung, vom Aschenkreuz, vom Fasten. Sigrid und Hanni berichten, dass es in der evangelischen Kirche seit vielen Jahren eine Fastenaktion unter einem bestimmten Thema gibt. Das diesjährige Motto lautet „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus.“  Wir überlegen gemeinsam, was uns Angst macht (Krankheiten, die Politik, der Klimawandel, … )  und was uns trotzdem zuversichtlich stimmen kann (Freunde, die Familie, unser Wohlstand …). Sieben Wochen sollen Angst und Sorgen aus den Gedanken verbannt werden, keine leichte Aufgabe. Hilfestellung dazu soll ein Fastenkalender als Begleiter durch die Wochen bieten.

Dass dieses Treffen für lange Zeit das letzte sein sollte, ahnte an diesem Nachmittag keiner, denn knapp drei Wochen später wurde in Deutschland das öffentliche Leben nahezu lahm gelegt – Grund dafür war ein neuartiges Virus mit dem Namen Covid 19. Unser aller Leben veränderte sich auf einen Schlag. Statt Betriebsamkeit, Termine, Besuche, Ausflüge, Veranstaltungen, Gottesdienst war nun angesagt „Wir bleiben zu Hause.“  Und so fielen alle unsere weiteren Treffen in diesem Jahr aus, denn dass man die ältere Generation besonders schützen muss, hatte man nach zahlreichen oft sehr schwer verlaufenden  Ausbrüchen der Krankheit in Seniorenheimen bald herausgefunden.

Noch einmal zurück zur Fastenaktion  „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus.“ Hinter uns liegen nun mehr als sieben Monate, die viel Entbehrung von uns abverlangt haben. Vor allem das fehlende gesellschaftliche Leben macht viele mutlos und einsam. Um die nächsten sicher nicht einfacher werdenden sieben Monate zu überstehen, tut man gut daran, sich – wie wir es im Seniorenkreis getan haben – zu überlegen, was uns Mut machen und Zuversicht geben kann: das regelmäßige Telefongespräch mit der Tochter, dem Sohn, den Enkelkindern, der Freundin, das Schwätzchen am Gartenzaun (natürlich mit Abstand), der Spaziergang durch die Straße oder zum Friedhof, die herbstlichen Weinberge, die Arbeit im Garten, ein schönes Buch oder eine lieb gewordene Fernsehsendung.

Mir fällt an dieser Stelle ein Spruch des italienischen Priesters Giovanni Bosco ein, der in diesen schweren Zeiten Wegweiser sein könnte:

Halte dich an Gott. Mach es wie der Vogel, der nicht aufhört zu singen, auch wenn der Ast bricht. Denn er weiß, dass er Flügel hat.

Mit diesem Vertrauen auf Gott und auf das eigene Können, den eigenen Mut und Verstand werden wir hoffentlich die vor uns liegenden Monate der Coronapandemie gut überstehen.

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund.

Im Namen des Seniorenkreisteams Hanni Hoch-Kraft

Lese-Überraschung

Wenn es draußen ungemütlich wird, kann man es sich mit einem guten Buch drinnen gemütlich machen. Für Lese-Nachschub sorgt die Bücherei nun mit speziellen Bücher-Paketen. Da der Flohmarkt auf dem Ober-Hilbersheimer Weihnachtsmarkt in diesem Jahr ausfallen muss, kann man sich thematische Überraschungs-Pakete mit jeweils 10 Büchern für 10 € zusammenstellen lassen. Diese können am Sonntag, 06. Dezember abgeholt werden. Vorbestellungen mit dem Wunsch „Krimi“, „Kinder“, „Liebe“, „historischer Roman“, „Unterhaltung“ oder „bunt gemischt“ nimmt die Bücherei ab sofort unter entgegen.

Alternativer Adventskalender zum Zuhören und Mitmachen

Die Entwicklung der Corona-Pandemie macht einen „Lebendigen Adventskalender“ in Appenheim, wie wir ihn kennen und lieben, immer unwahrscheinlicher. Deshalb soll es eine kleine Alternative geben: Wir wollen eine Geschichte in 24 Teilen vorlesen, die jeder Mitbürger ab dem 1. Dezember zu Hause anhören kann. Wie bei einem Adventskalender kann man dann täglich auf der Website ein neues Fensterchen öffnen und das Video ansehen. 

Ein bisschen Spannung wollen wir noch aufrecht erhalten: um welches Buch es sich dreht, wird noch nicht verraten. 

Es wäre schön, wenn möglichst viele Leute mitmachen und sich bereit erklären, ein Kapitel aufzuzeichnen.Wer Interesse hat, meldet sich bitte bei der ev. Gemeindebücherei unter

Mit Rhythmus in die Konfirmandenzeit

Konfi-Adventure: Zweitägiger Abenteuerparcours bringt unter dem Motto „Rhythm is it!“ Konfirmandengruppen aus dem gesamten Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim zusammen

Gemeinsame Erlebnisse in der Gruppe, Geschicklichkeit, Köpfchen und Mut: Unter dem Motto „Rhythm is it“ folgte Mitte September das zweitägige Konfi-Adventure im kleinen Waldstück rund um die Oppenheimer Landskronruine einem ganz eigenen Rhythmus und bot so einige Überraschungen für die rund 20 teilnehmenden Konfirmandengruppen aus dem gesamten Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim – natürlich mit Abstand, Mund-Nasen-Schutz und Hygienekonzept. Ausgerüstet mit einer Quizmappe, einem rohen Ei und einer Packschnur ging es nach einem gemeinsamen Gottesdienst auf der Wiese unterhalb der Landskrone an die erste von elf Stationen – Start des 16. Konfi-Adventures!



Bianca Leone / Öffentlichkeitsarbeit

 „Ihr müsst links nach unten ziehen, nach unten!“ ruft ein 14-Jähriger an der Station „Turmbau“ seinem Team zu. „Und jetzt alle wieder die Seile spannen und langsam nach oben bewegen“, dirigiert er die Gruppe weiter. Die achtköpfige Konfirmandengruppe steht um eine rote Box, darauf sind bereits mittig drei Holzblöcke, alle rund 15 cm hoch, aufeinander gebaut. Jeder der Jugendlichen hat – ausgerüstet mit Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen – ein rund zwei Meter langes Seil in der Hand, alle Seile laufen am anderen Ende zu einer runden Holzplatte zusammen, gut mit je einem Knoten befestigt. Unterhalb der Holzplatte ist ein dreieckiges Drahtgestell angebracht, damit sollen nach und nach insgesamt zehn Holzblöcke zunächst einzeln hochgezogen und anschließend aufeinandergestapelt werden, eine wackelige Angelegenheit. Dabei sind klare Absprachen, Konzentration aber auch gleichzeitiges Agieren wichtig. „Geschafft!“ ruft kurze Zeit später eine 13-Jährige, die Anspannung weicht. „Die nächsten fünf Blöcke packen wir auch noch!“ Doch schon ertönt das Wechselsignal, eine laute Warnhupe, ausgelöst von Dekanatsjugendreferent Wilfried Rumpf – auf zur nächsten Station. Gemeinsam mit Jürgen Salewski, Leiter des Oppenheimer Jugendhauses und Fachübungsleiter Klettern (DAV), leitet Rumpf federführend die zweitägige Veranstaltung. Nach knapp 15 Minuten sind immerhin acht von zehn Blöcken zu einem Turm gestapelt, die Gruppe ist zufrieden, denn Punkte gibt es nicht nur für den kompletten Turmbau, sondern auch für gutes Miteinander – bei besonders vielen sogenannten Sozialpunkten winkt der Gruppe dann auch der Fairnesspokal.

Der „Turmbau“ ist eine von elf Abenteuerstationen des Konfi-Adventures – ein erlebnispädagogischer Erlebnisparcours für Konfirmandengruppen aus dem Dekanat Ingelheim-Oppenheim. An zehn weiteren Stationen, unter anderem Bogenschießen, das „laufende A“, „Gummihuhngolf“, eine Regenrinnenstaffel, „Hajos Mondfahrt“ und an der beliebten Hochsteilstation „Schluchtüberquerung“ hieß es, Gemeinschaft zu erleben, Vertrauen in der Gruppe aufzubauen und ein Wir-Gefühl zu entwickeln. Ein wichtiger Start in die gemeinsame Konfirmandenzeit. Zwischen den Stationen war zudem bei einer QR-Code-Rallye mit über 45 Fragen zu den Themen Natur, Lebenswelt und Kirche das Wissen der Konfirmanden gefragt.

Gemeinschaft (er-)leben im Rhythmus zu sich, zu anderen und zu Gott


Bianca Leone / Öffentlichkeitsarbeit

Bevor es jedoch losging, startete das Konfi-Adventure mit einem gemeinsamen Gottesdienst auf der Wiese unterhalb der Landskronruine, abwechselnd gestaltet von Pfarrerin Julia Freund (Nieder-Olm), Pfarrerin Tanja Brinkhaus-Bauer (Bingen), Pfarrer Johannes Hoffmann (Guntersblum), Gemeindepädagogin Margarete Ruppert und Dekanatskantor Giuliano Mameli an der Orgel. Auch Dekan Olliver Zobel hatte es sich nicht nehmen lassen, die Jugendlichen zu begrüßen: „Ich wünsche euch eine tolle Zeit, um als Konfi-Gruppe zu wachsen und zu erleben, was ihr gemeinsam auf die Beine stellen könnt – viel Spaß und bleibt gesund!“

Der Gottesdienst thematisierte den Rhythmus des Lebens, als eine Orientierung im Alltag, mit Zeiten der An- aber auch der Entspannung. Auch in der Schöpfungsgeschichte, in Teilen vorgelesen von zwei Konfirmandinnen aus Nieder-Olm, geht es um einen Rhythmus – wenn von Gott berichtet wird, der die Welt in sechs Tagen erschuf und am siebten Tag ruhte. „Erst, wenn wir uns an einen groben Rhythmus im Leben halten“, so Pfarrer Hoffmann, „wenn wir ein Tages-Schema annehmen und daran unser Leben orientieren, dann wird unser Leben gut, dann wird Gemeinschaft möglich, dann gilt für alle: The Rhythm is it!“

„Auf einen Trommelschlag muss Stille folgen“

 „Ich höre euch nicht“, motivierte Gemeindepädagogin Ruppert die Jugendlichen, die mit ihrer Gitarre musikalisch den Gottesdienst begleitete und gemeinsam mit Wilfried Rumpf den Tag moderierte, „klatscht alle mit!“ Da coronabedingt auf ein gemeinsames Singen verzichtet werden musste, ging das Orga-Team neue Wege der Beteiligung: Ob beim rhythmischen Trommeln auf der Cajon oder beim Cup-Song, präsentiert von drei Jugendlichen. „Auf einen Trommelschlag muss Stille folgen“, betont Pfarrer Hoffmann, „mal lang, mal kurz, so entsteht ein Rhythmus.“ Oder beim Beschriften von Holzblüten und Steinen, mit schönen Erlebnissen aber auch Gedanken, die belasten, um sie vor Gott abzulegen, symbolisch an der Steinmauer der Landskronruine.

Nach rund vier Stunden konnten unter großem Jubel die Konfi-Gruppen aus Harxheim – Gau-Bischofsheim und die Gruppe der Johanneskirchengemeinde in Bingen auf das Siegertreppchen steigen. Mit strahlenden Gesichtern nahmen die Konfi-Gruppen „Bodenheim-Nackenheim 2“ und „Nierstein 2“ den Fairnesspokal entgegen.

Ach ja… die Überraschungen! Nun, wenn coronabedingt statt gemeinsam zu singen im Gottesdienst gemeinsam geklatscht werden darf, wenn beim „Eiermaschinenrettungswettbewerb“ fast alle Eier einem freien Fall aus knapp vier Metern Höhe überstehen und wenn während des Gottesdienstes das Handy von Pfarrer Johannes Hoffmann als Leiter der Notfallseelsorge Rheinhessen auch mal läuten darf, dann folgt das Konfi-Adventure einem ganz eigenen Rhythmus – bei den Jugendlichen selbst, in Kontakt zu anderen und zu Gott.

Hintergrund Konfi-Adventure

Federführend geplant und organisiert wird der erlebnispädagogische Abenteuerparcours rund um die Oppenheimer Landskronruine von Wilfried Rumpf, Dekanatsjugendreferent im Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim und Jugendhausleiter Jürgen Salewski mit dem Team des Jugendhauses – im Jahr 2020 zum 16. Mal. Unterstützt werden die Veranstalter vom Team der Evangelischen Jugend sowie zahlreichen Ehrenamtlichen des Dekanats und der Kirchengemeinden, ohne die das Konfi-Adventure nicht möglich wäre. Ein Dank gilt darüber hinaus der Stadt Oppenheim für die Nutzung des Geländes rund um die Landskrone.

Text: Bianca Leone / Öffentlichkeitsarbeit

Von Luther und Cranach für die Zukunft der Kirche gelernt

Selbstorganisierte Fortbildung des Dekanats Ingelheim-Oppenheim ging nach Wittenberg

„Vorsicht Pferd!“ – die Reisegruppe aus dem Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim geht einige Schritte zur Seite und folgt damit den gestrengen Anweisungen ihrer Wittenberger Stadtführerin. Kein Wunder, dass alle so diszipliniert sind, denn die der Wittenberger Geschichte kundige Dame verkörpert doch die gestrenge Frau Martin Luthers, Katharina von Bora. Schließlich will man ja mit ihr in die Geschichte Wittenbergs zur Zeit der Reformation eintauchen. Und so machen die Gäste aus Rheinhessen keinem Pferd, sondern tatsächlich einem Fahrrad Platz und werden von Stadtführerin Katharina noch einmal ermahnt: „Wenn eine Kutsche kommt, muss das aber schneller gehen!“

Fortbildungsreisenden auf dem Wittenberger Schlossplatz.

Foto: Pfarrer Hartmut Lotz

Auf die eigenen Wurzeln besonnen

Die 14 Mitarbeitende des Evangelischen Dekanates Ingelheim-Oppenheim, unter ihnen Dekan Olliver Zobel, PfarrerInnen, FachreferentInnen und Verwaltungskräfte, stehen jetzt vor der Schlosskirche in Wittenberg. Sie nehmen an der selbstorganisierten Fortbildung des Dekanates zur „Wiege der Reformation“, wie sich die Universitätsstadt an der Elbe gerne selbst nennt, teil, um zum einen eine Blick in die Vergangenheit der protestantischen Kirche, aber auch einen Blick in deren Zukunft zu werfen. Auch wenn die Gruppe – coronabedingt – nur klein ist, lauscht sie gespannt den Ausführungen ihrer Stadtführerin über die Orte und Kirchen in Wittenberg. Jener Stadt, in der Luther einen kirchlichen Reformprozess angestoßen hat, der schließlich die Evangelischen Kirche begründete. Gerade in dieser Zeit, in der so vieles in Frage gestellt wird, tut es auch den Teilnehmenden gut, sich wieder auf die eigenen Wurzeln zu besinnen – auf die Gedanken von der Freiheit aller Christenmenschen, vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen, aber auch von der ersten Kirchenordnung und Luthers Visitationen.

Einblick in den PfarrerInnen-Alltag in Mitteldeutschland

Den Blick in die Zukunft lenkt am zweiten Tag der Fortbildung ein Besuch von Pfarr-Kolleginnen und Kollegen im Kirchenkreis Wittenberg an. Die Rahmenbedingungen, unter denen diese in ihrem Arbeitsalltag zurechtkommen müssten, führt zu manch erstaunter Nachfrage: „Sie sind für 16 Predigtstellen zuständig?“ oder „In diesem Dorf leben wirklich nur noch 12 Evangelische und doch steht die Kirche noch mitten im Dorf?“ Es sind aufschlussreiche Gespräche die geführt werden. Schnell wird klar, dass die Pfarrer hier im Kirchenkreis Wittenberg ganz unterschiedliche Wege gefunden haben, Kirche unter diesen – von dem im Dekanat Ingelheim-Oppenheim derzeit stark abweichenden – Rahmenbedingungen zu leben. Ein Pfarrer hat ein ausgeklügeltes System entwickelt, so dass in all seinen Kirchen mindestens noch vierzehntägig Gottesdienste stattfinden können, eine andere Pfarrerin beschränkt sich auf wenige Orte, an denen sie dann aber mit engagierten Mitarbeitenden besondere Dinge anbietet.

Neue Formen der Gemeindearbeit kosten viel Kraft

Die geführten Gespräche machen deutlich, dass es viel Mühe und Kraft gekostet hat, diese neuen Formen zu finden, dass die PfarrerInnen aber jetzt gut damit klarkommen und auch mit viel Freude und Engagement weiterarbeiten wollen. Wobei sie ihren BesucherInnen aus dem Dekanat Ingelheim-Oppenheim eines mit auf den Weg geben: Neue Strukturen und Abschiedsprozesse sollten in Vakanzzeiten oder mit den „alten“ Mitarbeitenden geklärt werden. Neue Mitarbeitende sollten damit nicht sofort nach Arbeitsantritt konfrontiert werden, da sonst der Neustart gleich sehr belastet sei. Am Abend dieses aufschlussreichen Fortbildungstages bedanken sich die Fortbildungsreisenden aus Rheinhessen bei ihren Kolleginnen und Kollegen aus dem Kirchenkreis Wittenberg mit einer fröhlichen rheinhessischen Weinprobe, bei der tagsüber geführten Gespräche engagiert fortgesetzt werden.

Neue digitale Formate auf dem Prüfstand

Auch in den nun folgenden Tagen der Fortbildung richten die Teilnehmenden ihren Blick auf die zukünftige Gestaltung ihrer Arbeit. Unterstützt durch die Mitarbeitenden aus dem Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur beschäftigt sich die Gruppe mit der Weiterentwicklung der digitalen Formate, die während der letzten Monate in vielen rheinhessischen Gemeinden infolge der Corona-Pandemie entstanden sind. Schnell wird deutlich, was diese für ein Schatz sind und mit welchem Engagement sich die Kirchengemeinden den Herausforderungen durch den Corona-Virus gestellt haben. Genauso schnell wird klar, dass solch‘ ein Engagement nicht einfach so weitergehen kann, wenn jetzt auch die bisherigen Angebote, gewiss in anderen Formen, wieder vermehrt stattfinden. Und schließlich kristallisiert sich auch heraus, welches Potential in diesen Formaten steckt, dass es dazu aber eigentlich ein noch höheres Engagement bräuchte, das kaum eine Kirchengemeinde allein stemmen kann. So nehmen die Kolleginnen und Kollegen zwei Aufgaben mit nach Hause: Erstens: einfache, vielleicht hybride Formate für die Gottesdienste finden und zweitens: Klärungen im Dekanat herbeiführen, dass zwei bis drei Formate im Dekanat gemeinsam weitergeführt werden können, die man dann auch qualitativ weiter entwickeln kann.

Wie Luther den Menschen „auf’s Maul“ schauen

Denn eines ist auch bei der Stadtführung deutlich geworden – auch die Menschen zu Luthers Zeiten erkannten sehr schnell das große Potential der zu ihrer Zeit aufkommenden neuen Medien. So nützte der Wittenberger Maler, Grafiker und Buchdrucker Lucas Cranach Vorlagen, Schablonen und ein gutes Team von Mitarbeitern, um seine Bilder gut und günstig unter das Volk zu bringen. Und da er sich sehr bald der Sache Luthers annahm, trug er nicht unerheblich mit seinen Bildern und Drucken dazu bei, dass die Menschen Luthers Thesen vor Augen hatten. So gewannen die Teilnehmenden der Wittenberger Fortbildung die Erkenntnis, dass es sich auch heute noch lohnt, mit Luther den Menschen wieder neu „auf’s Maul“ zu schauen, mit Cranach die neuen Möglichkeiten der Digitalität professionell zu nützen und so Ideen für die Reform der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau mit ihren Gemeinden und Dekanaten zu entwickeln.

Hilke Wiegers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Kreative Tage

In den Herbstferien soll es wieder Kreative Tage geben. Hier die wichtigste Vorinformation: es wird in der ersten Ferienwoche von Montag, den 12. Oktober bis Mittwoch, den 14. Oktober, voraussichtlich jeweils von 10 bis 13 Uhr in Engelstadt am Georg-Zimmer-Haus stattfinden. Es wird um Glas – Farbe – Licht gehen. Merkt Euch den Termin vor, meldet Euch gerne schon einmal an. Nähere Informationen folgen dann so bald wie möglich.

Gemeindepädagogin Margarete Ruppert