Im Wüstensand nach den Fußstapfen des Nikolaus gesucht

Trotz langer Jahre in Saudi-Arabien Bindung zur Kirche nicht verloren: Kirchenvorsteherin Elke Spiekermann

Foto: Hilke Wiegers

An den Tag, an dem sie vor über zwölf Jahren gefragt wurde, ob sie sich für den Kirchenvorstand von Ober-Hilbersheim aufstellen lassen möchte, erinnert sich Elke Spiekermann noch genau: „Eine Konfirmandin aus dem Ort, die Tochter von Freunden, kam und fragte mich,“ erzählt die freundliche 79-Jährige, „und da habe ich erst einmal zurückgefragt, wer denn auf diese Idee gekommen war, denn wir waren ja erst vor wenigen Jahren, 1997, zugezogen.“ Als das Mädchen dann erzählte, dass sie diesen Auftrag von Elfriede Heucher, einem Mitglied des Benennungsausschusses der Gemeinde zur Kirchenvorstandswahl, hatte, wusste Elke Spiekermann, wie sie zu dieser Ehre gekommen war. „Ich hatte Frau Heucher kennengelernt, weil unsere Enkel, die eigentlich in Abu Dhabi leben, hier in Ober-Hilbersheim getauft wurden.“

Das waren die ersten, sehr schönen Kontakte von Elke Spiekermann mit der evangelischen Kirchengemeinde in Ober-Hilbersheim. Und weil sie in ihrer Jugend in ihrem Heimatort Idstein in ihrer Kirchengemeinde, in Kinderchor, Jungschar und Theatergruppe sehr aktiv gewesen war, freute sich die gebürtige Hessin darauf, sich als Kirchenvorsteherin wieder stärker für die Kirche zu engagieren. Zudem bedeutete dies für die anpackende und kontaktfreudige Elke Spiekermann eine zusätzliche gute Gelegenheit, sich in das Ortsgeschehen zu integrieren. 2009 in den Kirchenvorstand gewählt, musste die damals schon 68-Jährige erkennen, dass es für sie über das Gemeindeleben und die Arbeit in diesem gemeindlichen Leitungsgremium noch so Manches zu lernen gab: „Schließlich hatte ich mit meiner Familie über 20 Jahre im nicht-christlichen Ausland, an verschiedenen Orten in Saudi-Arabien, gelebt, weil mein Mann als Verantwortlicher dort Bauprojekte betreute.“

Zwar war dort die Bindung zur Kirche nie abgerissen, denn auch in den sog. Camps, in denen damals die Familien ausländischer Mitarbeiter an Bauprojekten, gab es gute Kontakte zu den christlichen Missionsstationen in Kairo und Addis Abeba und „Weihnachten konnten wir auch immer feiern“, erinnert sich Elke Spiekermann. Spannend sind die Anekdoten, die sie aus dieser Zeit erzählen kann. So arbeitete die Mutter von drei Kindern u. a. als Konsularangestellte in der deutschen Botschaft in Dschidda und auch als Kindergärtnerin im Camp. Mit den Kindergartenkindern suchte sie z. B. vor Weihnachten im Wüstensand nach den Fußstapfen des Nikolaus.

Dennoch bekam sie viele Entwicklungen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland z. B. in Bezug auf das Gemeindeleben oder die Gottesdienstordnung nicht mit. So auch den Trend, dass vom Kirchenvorstand zunehmend auch Verwaltungsarbeit erledigt werden muss. „Ich hatte idealistische Vorstellungen z. B. davon, wie wir mehr Menschen zur Kirche zurückbringen könnten.“ Dennoch erinnert sich die lange Jahre auch in der SPD und im Ober-Hilbersheimer Partnerschaftsverein mit der italienischen Stadt Bonavigio engagierte Frau an viele interessante Aktivitäten ihrer Kirchengemeinde, an die zahlreichen ökumenischen Frauengottesdienste, die Weltgebetstage und an die Seniorennachmittage. Oder an die schönen Gemeindefeste, an die Gemeinschaft, die sie im Kirchenvorstand erlebte, oder an die Sitzungen in der Ingelheimer Sozialstation. Hier genoss sie als eine der Delegierten ihrer Kirchengemeinde in zwangloser Runde den Austausch mit den KollegInnen aus den Nachbargemeinden.

Nun kann sie aufgrund gesundheitlicher Probleme zu ihrem großen Kummer nicht mehr so aktiv am Gemeindeleben teilnehmen: „Das ist schade, gerade weil es hier im letzten Jahr dank unserer jungen Pfarrerin Verena Reeh wirklich sehr munter zuging.“ Ein Trost ist, dass sie aufgrund ihres ehrenamtlichen Engagements jetzt in der Gemeinde sehr gut vernetzt ist und die Tage selten ohne Besuch und Austausch vergehen. Dazu bietet sich ihr, wenn sie aus dem Haus tritt, ein herrlicher Blick auf die Ober-Hilbersheimer Kirche, an deren Renovierung sie als Mitglied des Kirchenvorstandes mitwirkt.

Hilke Wiegers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Mehr Gottesdienste besucht als erwartet

Foto: V. Reeh

Konfirmandin Leonie Pastrick aus Ober-Hilbersheim hat freiwillig so viel mehr Gottesdienste besucht als erwartet, dass es als kleine Belohnung einen Eisbecher zum Abschluss des Konfi-Jahres für sie gab. Mit gefreut haben sich auch unsere Gemeindepädagogin Margarete Ruppert und Pfarrerin Verena Reeh. Die Konfirmationen in unseren drei Gemeinden feiern wir nächstes Jahr unter hoffentlich gewohnten Bedingungen!

Konfifreizeit gemeinsam mit den Gau-Algesheimern im März 2020

Fotot: Pfarrerin V. Reeh

Auf den allerletzten Drücker waren wir noch auf Konfi-Freizeit in Höchst in der Jugendbegegnungsstätte im Kloster Höchst, bevor der Shut-down unseren Alltag veränderte. Zusammen mit den Gau-Algesheimer Konfis sind wir mit dem Bus in den Odenwald gefahren. Eigentlich ist nicht viel los in dem kleinen Städtchen Höchst – aber das war auch nicht nötig, denn für Unterhaltungsprogramm tagsüber sorgten die Konfis durch großartige Vorbereitungen ihres eigenen Vorstellungsgottesdienstes – ein Probelauf sozusagen war der gemeinsam gestaltete Gottesdienst für die Odenwälder Gemeinde am Sonntag morgen. Am ersten Abend wurde in einem gestalteten Gottesdienst von Pfarrerin Hassinger ein Konfirmand aus der Gau-Algesheimer Gruppe getauft, das war ein besonderes Erlebnis für uns alle! An dem anderen Abend hatten wir alle mega viel Spaß – mehr dazu wird auch nicht verraten 😉

Mit dem gemeinsam gestalteten Gottesdienst am Sonntag in Höchst zeigten unsere Konfis durch Begleitung der Liturgie, Einsatz am Keyboard und selbstständiges Predigen, was sie in dem Konfijahr gelernt und in den Tagen der Freizeit erarbeitet haben! Ich war und bin mächtig stolz auf diese jungen Menschen und freue mich auf die Konfirmationen im Mai 2021!

Eure Pfarrerin Verena Reeh

„Das schreit nach Wiederholung!“

Jugendliche pilgerten wie die Großen auf dem rheinhessischen Jakobsweg

Pilgern wie die Großen mit Pilgerstempel und Jakobsmuschel: 14 Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren nutzten in der fünften Ferienwoche ein Angebot der Evangelischen Jugend im Dekanat Ingelheim-Oppenheim und pilgerten drei Tage auf dem rheinhessischen Jakobsweg. Zum Abschluss der Ferienaktion lud der Leiter des Jugendhauses Oppenheim, Jürgen Salewski, die Jugendlichen noch zu einem Kanutag auf dem Rhein ein.

Foto: Margarete Ruppert.

Doch zunächst ging es am ersten Tag von Bingen auf den Rochusberg zu Fuß auf dem Pilgerweg steil bergauf. Auf dem Berg gab es dann den ersten Pilgerstempel, dann liefen die Teilnehmenden, begleitet von Gemeindepädagogin Margarte Ruppert und dem Pfarrer von Bubenheim und Engelstadt, Hartmut Lotz, weiter über den Laurenziberg nach Appenheim. Am Dienstag war es dann deutlich wärmer, aber alle Teilnehmenden überraschten durch großes Durchhaltevermögen. Kein Wunder: Sie sahen Störche und Rehe, gingen auch einmal schweigend durch den Wald von Ober-Hilbersheim, um dann wieder in den Pausen zu spielen oder fröhlich zu singen.

Von Tag zu Tag wurde die Gruppe größer, sodass am Ende die Jakobsmuscheln nicht ausreichten und Margarete Ruppert sogar eine eigene Jakobsmuschel, die im heimischen Bad zu einer Seifenschale umfunktioniert worden war, zum Einsatz brachte: „Zu viele Leute!“, erzählt sie augenzwinkernd, „Welch‘ schönes Problem“.

Dass am Schluss der Veranstaltung nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Eltern begeistert waren, dazu trug nicht zuletzt die Paddeltour am letzten Tag auf dem Rhein bei, wo es unter anderem eine Abkühlung im knietiefen Wasser am Rheinufer gab. „Das schreit nach Wiederholung!“, regte ein Vater beim Abholen an und eine Mutter lobte: „Dieses Unterwegssein zu Fuß in der Region, in der man wohnt – toll.“

Hilke Wiegers, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Corona hat alles lahm gelegt. Alles? Nein!

Die Jugend in den Gemeinden hat sich ziemlich schnell digital aufgestellt und dann regelmäßig getroffen. Natürlich nicht persönlich, das war ja verboten, aber per Videokonferenz in der Onlineplattform Zoom. Woche für Woche trafen sich die Konfirmanden und auch die anderen Gruppen wie die Jugendtreffs. Wir experimentierten, was sich zum Spielen eignet, wenn man nicht in einem Raum und an einem Tisch sitzt. Stadt, Land, Fluss war das erste Spiel, aber auch Activitiy und die Black stories, bei denen man Kriminalfälle aufdeckt. Hoher Beliebtheit erfreute sich auch Skribbl, ein Zeichenspiel im Stile von Montagsmaler, dass man im Internet miteinander spielen kann.

Ebenfalls digital waren die Kindergottesdienste. Mit Playmobilfiguren, Buchillustrationen oder anderen Spielfiguren wurden Geschichten der Bibel erzählt, gespielt und aufgenommen und auf Youtube eingestellt. Den Aufrufzahlen nach zu urteilen, haben es auch einige Familien regelmäßig angeschaut. Ebenso wie die Kindergottesdienste, die Margarete Ruppert zu hause aufgenommen hat und dann eingstellt hat.

Aus der Not eine Tugend machen – die Zeit, die man gewonnen hat, sinnvoll nutzen – nach der Devise wurde auch ein Gitarrenkurs online angeboten. Fünf Leute haben in acht Wochen beachtliche Fortschritte erreichen können. Sie kamen vom völligen Anfängerstatus bis zu anspruchsvollen Liedern, bei denen auch gezupft wurde.

Nichtsdestotrotz darf man sich nichts vormachen. Natürlich ist das nicht für jede*n was mit den digitalen Angeboten. Viele Jugendliche blieben den Zommkonferenzen fern. Schließlich lebt Jugendarbeit und kirchliche Gemeinschaft von der Begegnung und der Beziehung. Die fehlte uns sehr. Bekämpfungsverordnungen wurden gelesen und ein erstes Hygienekonzept verfasst und von den ersten Kirchenvorständen beschlossen. Die letzten zwei Wochen vor den Ferien konnten wir uns dann in Ober-Hilbersheim wieder treffen: draußen, mit Abstand und Masken, mit Desinfektionsmittel und Listen, aber persönlich, von Angesicht zu Angesicht.

Die Band Silbermond hat ein Lied verfasst zu dieser Zeit. Es heißt: Machen wir das Beste draus. Wir haben das versucht und werden es immer weiter versuchen. Die Fahrt ins französische Taizé müssen wir sein lassen, aber es wird in der 5. Ferienwoche ein buntes Ferienprogramm geben für Jugendliche ab 12 Jahren. Drei Tage pilgern Pfarrer Hartmut Lotz und ich auf dem rheinhessischen Jakobsweg, ein Tag paddeln wir mit dem Jugendhausleiter Jürgen Salewski ab Oppenheim. Anmeldungen dazu sind uns nach wie vor willkommen: , 015780469417

Gemeindepädagogin Margarete Ruppert

Liebe Welzbachtalerinnen! Liebe Welzbachtaler!

Gottesdienst feiern so wie früher – das geht inzwischen wieder. Und zugleich geht es eben nicht: Mit zwei Metern Mindestabstand und Maske über dem Mund lässt sich das Gewohnte nicht einfach fortsetzen. Da ist es geradezu stimmig, dass auch gemeinsames Singen entfällt. „Normale“ Gottesdienste wird es auf Monate nicht geben. Und fühlt sich Gottesdienst jemals wieder „normal“ an mit Corona im Rücken? Da habe ich meine Zweifel.

Kein bloßes Zurück in die Vergangenheit – das erfahren ja nicht nur Gläubige in diesen Tagen. Viele weitere Lebensbereiche haben sich dauerhaft verändert. Und allein schon mit den Erfahrungen der letzten Wochen lebt es sich für immer anders.

Die Jünger Jesu waren nach Ostern in einer ganz ähnlichen Lage, erzählt die Bibel. Jesus war auferstanden, das wussten sie. Er war wieder da. Aber nicht so wie früher. Jesus weiter nur in Israel unterwegs, gebunden an Raum und Zeit – und irgendwann dann doch wieder beerdigt? Das konnte und wollte sich niemand ernsthaft vorstellen. Gottes Geschichte musste jetzt anders weitergehen, weiträumiger, größer … Veränderung lag also in der Luft.

Von dieser Veränderung erzählt das Fest Christi Himmelfahrt nächsten Donnerstag. Jesus wird „emporgehoben“, „fährt auf gen Himmel, „weg vor ihren Augen“, so die alten Formulierungen. Seitdem kennt christlicher Glaube keine Grenzen mehr. Jeder kann Jesus erfahren, mit seinem Geist begabt werden.

Gottesdienst feiern so wie früher? Ich finde die andere Perspektive attraktiver. Und ich freue mich über den neu entstandenen Spielraum. Die frisch entwickelten Formate lassen sich ja auch in klassischen Kirchenräumen fortführen, die Gottesdienstgemeinde vor Ort wird via Internet oder Telefon noch größer. Und Gottes Geist schenkt auch in einer völlig veränderten Welt Mut und Hoffnung.

Pfarrerin Verena Reeh