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Leben und Glauben

Rheinland-Pfalz hat seit wenigen Wochen ein neues Bestattungsgesetz. Es hat auch eine Debatte darüber ausgelöst, wie wir heute den Tod verstehen. Die Beobachtung des Dichters Edward Young vor mehr als 300 Jahren ist wohl immer noch zutreffend: „Ein jeder hält einen jeden für sterblich – außer sich selbst.“ Es ist schwer, sich der eigenen Sterblichkeit und Endlichkeit bewusst zu sein. Zwar weiß man theoretisch, dass die eigene Lebenszeit begrenzt ist. Aber auf die persönliche Lebensführung wirkt sich das nur selten aus.
„Bedenken, dass wir sterben müssen“
Der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud beobachtete später: „Im Grunde glaubt niemand an seinen eigenen Tod“ und lebt, als hätte er ewig Zeit. Selbst wenn man grundsätzlich weiß, dass Menschen sterblich sind, versucht man den Tod aus dem Leben zu verdrängen und ihn totzuschweigen. Freud bemerkte dies 1915, inmitten des Ersten Weltkrieges. Denn die Erfahrung von Krieg, in dem der Tod allgegenwärtig war, machte es unmöglich, den Tod zu verdrängen.
Religionen halten ein Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit wach. Schon das Orakel von Delphi mahnte seine Besucher: Erkenne dich, erkenne deine Sterblichkeit. Im biblischen Psalm 90 formulierte der Beter: „Menschen sind wie Gras, das am Morgen blüht und sprosst und am Abend welkt und verdorrt. Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“
Öffentliche Trauer kann trösten
Die modernen Friedhöfe sind öffentliche Orte, die die Wirklichkeit des Sterbens und des Todes sichtbar halten. Manchmal tut es gut, über einen Friedhof zu gehen und die Namen und Lebensdaten auf den Grabsteinen bewusst wahrzunehmen. Der Name eines Menschen erinnert an die Einmaligkeit seines Lebens und seine besondere Lebensgeschichte, die keiner anderen Geschichte gleicht. An manchen Grabsteinen kann man ablesen, wie sehr die Verstorbene vermisst wird. Das ist schlimm – aber es ist auch schön, weil es zeigt, wie viel Begegnung und Liebe es vorher gab. Wenn ein Leben kurz war, erschrickt man und begreift – zumindest für einen Moment –, wie kostbar jeder einzelne Tag ist.
Nach dem neuen Bestattungsgesetz können Urnen nun im eigenen Garten beigesetzt oder in den großen Flüssen in Rheinland-Pfalz versenkt werden. Die Asche kann außerhalb eines Friedhofs verstreut oder aus ihr kann ein Diamant gepresst werden. Verstorbene müssen nicht mehr auf einem Friedhof beigesetzt werden. Möglich ist solches nur, wenn man dies zu Lebzeiten so festgelegt hat. Bevor man sich dafür entscheidet, könnte es hilfreich sein zu überlegen, was es für andere bedeutet, wenn es wie bei einer Flussbestattung keinen Ort zum Trauern gibt oder wenn durch einen privaten Trauerort der Zugang für andere erschwert wird.
Öffentliche Trauerfeiern sind Gelegenheiten, zusammen mit anderen von einem Verstorbenen Abschied zu nehmen. Zu erleben, dass auch andere um den geliebten Menschen trauern, kann trösten. Erinnerungen auszutauschen an das, was man mit ihm erlebt hat, kann ein Lächeln aufs Gesichts zaubern.
Raum für Hoffnung und Abschied
Kirchliche Trauerfeiern stellen das Leben und Sterben eines Menschen in den Horizont Gottes. Sie blicken auf die vergangene Lebenszeit im Vertrauen, dass die verstorbene Person nun bei Gott ist. Sie bieten Raum, in dieser Hoffnung Abschied zu nehmen. Schwer und doch gut sind dabei Gesten des Abschieds: wenn der Sarg oder die Urne ins Grab hinabgelassen wird – oder wenn man die ersten Schritte vom Grab weggeht. Und gleichzeitig helfen diese Gesten beim Trauern, weil sie spürbar machen: Die Wege des Verstorbenen und meine Wege trennen sich jetzt.
Es ist ein schöner kirchlicher Brauch, am Sonntag vor dem 1. Advent, am Ewigkeitssonntag, die Namen aller im vergangenen Jahr kirchlich bestatteten Menschen im Gottesdienst vorzulesen. Die Angehörigen werden dazu eingeladen. Noch einmal hält man inne und erinnert sich an den Verstorbenen und an das Abschiednehmen bei der kirchlichen Bestattung. Man hört zahlreiche Namen und macht sich bewusst, wie viele Menschen aus der Gemeinde im vergangenen Jahr gestorben sind. Das hilft, auch über die eigene Sterblichkeit nachzudenken.
Von Kirchenpräsidentin Prof. Dr. Christiane Tietz

Hilke Wiegers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Hilke Wiegers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Hilke Wiegers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Dekanat Ingelheim-Oppenheim
Wissenswertes zu der besonderen Beziehung des Friedensnobelpreisträgers zu Rheinhessen
Seit dem 14. Januar 2025 gedenken wir des 150. Geburtstags von Albert Schweitzer, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Er war Theologe, Philosoph, Organist und Arzt, der mit seiner Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“ bis heute inspiriert. In Lambarene (Gabun) baute er ein Krankenhaus auf, das bis heute besteht. Für sein unermüdliches humanitäres Engagement erhielt er 1952 den Friedensnobelpreis, der ihm 1954 in Oslo überreicht wurde. Sein Denken und Handeln bildeten eine glaubwürdige Einheit, die sich besonders in seiner tiefen Verantwortung für Mensch und Natur zeigte.
Ein Ethiker für alle Kreatur
Tagsüber unermüdlich als Arzt und für den Ausbau des Urwald-Krankenhauses tätig, saß Schweitzer nachts „am Krankenbett der Menschheit“. Er betrachtete den technischen Fortschritt und die Kulturentwicklung Anfang des 20. Jahrhunderts mit tiefer Sorge. Neben dem ungeheuren Zuwachs an Wissen und Können musste er feststellen, dass der moderne Mensch ethisch-geistig immer mehr verkümmerte. In allen Bereichen sah Schweitzer die Gefahr zunehmender Unmenschlichkeit aufziehen. Er erkannte, dass die Zukunft der Menschheit davon abhängt, inwieweit es gelingt, ein tragfähiges Fundament der Ethik zu finden, welches alle weltanschaulich-religiösen und kulturellen Unterschiede der Völker überbrückt. Diese Vorstellung bildet das Fundament für Schweitzers „Ehrfurcht vor dem Leben“ – eine neue Humanitätsgesinnung, die sich für alles Leben dieser Erde verantwortlich weiß.
Albert Schweitzer und Rheinhessen
Die enge Freundschaft mit dem Niersteiner Weingutsbesitzer Karl-Ludwig Schmitt führte Albert Schweitzer immer wieder nach Rheinhessen. Im Hause Schmitt lernte er viele prominente Persönlichkeiten, wie Dr. Elsie Kühn-Leitz und Dr. Ernst Leitz jun., der bedeutenden Pianistin Elly Ney, dem bekannten Bildhauer Louis Mayer oder die Familie des Kirchenpräsidenten Martin Niemöller kennen. In der Oppenheimer Katharinenkirche spielte er die berühmte Walckerorgel spielte. Er gab dort Konzerte und probte ausgiebig auf dem Instrument, das er besonders schätzte. Ein weiterer bedeutender Weggefährte Schweitzers in Rheinhessen war der Atomphysiker und Bundestagsabgeordnete Karl Bechert aus Gau-Algesheim. Bechert war ein entschiedener Kritiker der atomaren Aufrüstung und unterstützte Schweitzer maßgeblich bei der Formulierung seiner Anti-Atomwaffen-Appelle, die 1957/58 über Radio Oslo weltweit ausgestrahlt wurden. Diese trugen wesentlich zur internationalen Friedensbewegung bei.
Ein Erbe, das verpflichtet
In Deutschland setzen sich mehrere Organisationen für die Bewahrung seines Erbes ein. Der Deutsche Hilfsverein für das Albert-Schweitzer-Spital in Lambarene e.V. trägt wesentlich zur Erhaltung und Weiterentwicklung des Krankenhauses bei. Die Stiftung Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum Frankfurt am Main widmet sich der Verbreitung seines geistigen und ethischen Werkes und unterstützt das Deutsche Albert-Schweitzer-Zentrum in Offenbach mit Archiv und Museum.
Anlässlich seines Jubiläums finden bundesweit zahlreiche Gedenkveranstaltungen statt, darunter Orgelkonzerte, Vorträge, Lesungen und Tagungen. Weitere Informationen gibt es unter: www.albert-schweitzer-heute.de, aber auch auf der Website des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim https://evangelisches-dekanat-ingelheim-oppenheim.de/ .


„Die Zerbrechlichkeit von Gottes Schöpfung ist mir als Theologe sehr bewusst, ihre Bewahrung liegt mir besonders am Herzen“, erklärt Pfarrer Christian Brost. Als neuer Inhaber der Pfarrstelle für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim (seit dem 1. Januar 2025) wird er sich intensiv mit Nachhaltigkeit, politischer Bildung und sozialer Gerechtigkeit befassen.
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Unterstützung der Nachbarschaftsräume des Dekanats bei der Umsetzung des Klimaschutzplans der EKHN, um das Ziel der Treibhausgasneutralität zu erreichen. Beim „Nachhaltigkeitstresen“ in Bingen wird er mit Ehrenamtlichen und Kooperationspartnern Menschen dazu einladen, ihren ökologischen Handabdruck zu vergrößern. Zudem wird er das Jugendpräventionsprojekt „Gewalt hat eine Geschichte“ in Zusammenarbeit mit dem Team des Oppenheimer Jugendhauses ausweiten, um die Gedenkarbeit an die Verbrechen der NS-Zeit zu stärken.
In der zweiten Hälfte seines Dienstes bleibt Brost weiterhin als Pfarrer im Nachbarschaftsraum 2 (Ingelheim) tätig und ist Seelsorger für die evangelischen Christ:innen in Heidesheim. Außerdem engagiert er sich als Mitglied des Dekanatssynodalvorstands und begleitet die Steuerungsgruppe des Nachbarschaftsraums 3 im Kirchenentwicklungsprozess ekhn2030.
Die feierliche Einführung von Pfarrer Brost in sein neues Amt findet am 27. April um 15:00 Uhr in der Burgkirche Ingelheim statt. Während des Gottesdienstes wird das Dekanat mit dem „Grünen Hahn“ ausgezeichnet, der für aktiven Umwelt- und Klimaschutz in kirchlichen Einrichtungen steht.
Hilke Wiegers
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit EV. Dekanat Ingelheim-Oppenheim (Text und Foto)


